Sebastianuskapelle
Dass die Sebastianuskapelle genau in jenem Jahr 1474 erbaut wurde, hat einen traurigen Grund: Die Pest machte auch vor dem damaligen Bischofsheim nicht halt. Der Friedhof lag, wie damals üblich, neben der Kirche im Stadtgebiet und war dementsprechend klein. Als die Zahl der Toten durch die Seuche immer größer wurde, musste auf dem Friedhof Platz geschaffen werden.
Die Überreste der Gebeine der Verstorbenen wurden ausgegraben und nun im Untergeschoss des neu erbauten Beinhauses (Ossarium) aufbewahrt. Dieses Vorgehen war auch in „normalen“ Zeiten nach Ablauf einer bestimmten Reihe von Jahren üblich.
Geweiht war die Kapelle ursprünglich dem Heiligen Michael. Da aber Sebastianus der „Pestheilige“ war, wurde sein Name zusammen mit der Kapelle überliefert.
Das Gebäude ist eine Doppelkapelle, wobei das Untergeschoss die eigentliche Friedhofskapelle darstellt. Darauf weist auch das Tympanon des „Jüngsten Gerichts“ über dem Eingang hin. Hier lohnt es sich, einmal genau hinzuschauen. Denn der oder die Bildhauer haben einige nicht ganz übliche Szenen einfließen lassen. Beim Einzug der Seligen ins Paradies (links unten) findet sich der König erst hinter vier anderen Gruppen als Fünfter wieder. Und zu den Verdammten (rechts) gehören auch Einige aus den Reihen der Geistlichkeit und der Obrigkeit.
Heute dient das ehemalige Beinhaus als Gedenkstätte der Stadt Tauberbischofsheim für die Gefallenen des 2. Weltkriegs.

